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SCAC 102 An Introduction For Young And Old Europe

SCAC 102 An Introduction For Young And Old Europe

Eine außergewöhnliche Band, eine außergewöhnliche Geschichte, eine außergewöhnliche Veröffentlichung. Slim Cessna’s Auto Club, das Sextett aus Denver, Colorado, sind seit mehr als 20 Jahren dabei, haben bislang acht Alben veröffentlicht, ohne jemals mehr als Achtungserfolge in den europäischen Medien zu erzielen. Warum also nimmt sich jetzt ein Label wie Glitterhouse, dass doch entweder auf etablierte Acts wie Spain, The Walkabouts oder Wovenhand setzt, oder ins volle Risiko geht und außergewöhnliche und innovative Künstler wie Scott Matthew, Caroline Keating, Andrea Schroeder oder Nive Nielsen entdeckt und fördert, jetzt einer Band an, die so lange im Geschäft ist und über einen Kultstatus in Europa noch nicht hinausgekommen ist? „You know Roger Williams?“ Rückblende: Orange Blossom Special 15, Pfingsten 2011. Nach vielen Versuchen haben es SCAC auf’s Line Up geschafft, laut Pressemitteilung des Bookers und verschiedener, teils recht seriöser Quellen (u.a. No Depression, Spin) sowie Augen- und Ohrenzeugen unseres Vertrauens, die beste Live Band der USA, wenn nicht des Universums. Skepsis angesichts solcher Worte, bislang war die Band in den hinteren Ecken unseres Bewußtseins als Alt. Country Band mit 16 Horsepower Connection (David Eugene Edwards war einst Mitglied und Wovenhand Drummer Ordy Garrison über im 15 Jahre im Auto Club) und deutlicher Schräglage abgespeichert, wirklich beschäftigt hatte sich nie richtig jemand mit ihnen. Dann kommen die sechs Gestalten auf die Bühne, und was danach passiert geht in die Annalen der an Höhepunkten wahrlich nicht gerade armen Historie des Festivals als nicht mehr zu toppen ein. Elektrisierend von der ersten Sekunde, Genie und Wahnsinn zu einer unschlagbaren einzigen Macht vereint, brilliante Musiker, zwei der charismatischsten Sänger, die man sich vorstellen kann -nein- man kann sich diese beiden nicht vorstellen, was bei SCAC auf der Bühne passiert ist selbst für den Musikprofi, der abertausende hochklassige Konzerte gesehen hat, nicht vorstellbar, sondern nur mit eigenen Augen verifizierbar. „Well, he was the founder of the first Baptist Church…“ Also Skepsis weicht allgemeiner Begeisterung und Begeisterung schlägt um in den Willen, zu missionieren, zu missionieren für eine Band, die es schlicht verdient hat, dass alle, Alle, ALLE sie hören, sie sehen und sich selber ein Bild machen können. Denn: hinter dem Faszinosum Slim Cessna’s Auto Club steckt weit mehr als eine famose Bühnenshow; in einem Wort zusammengefasst: Substanz. Brilliante Musiker, hatten wir schon. Zwei charismatische Frontmänner (Slim Cessna und Munly Munly) wurden auch schon erwähnt. Drei weitere Zutaten machen den Kuchen erst rund: Musik, Songs und Songtexte. Die Musik des Auto Club als „Alt. Country“ zu bezeichnen, griffe zu kurz. Slim Cessna’s Auto Club fungieren wie ein Prisma, das die einzelnen Bestandteile amerikanischer Musik in seine Einzelteile zerlegt und neu zusammen setzt, so dass längst assimilierte Traditionen prominent zum Vorschein kommen, seien es jiddische Einflüsse („Boom Magalina Hagalina Boom“), Gospel („Children of the Lord“, „Hallelujah Anyway“), osteuropäisches („He, Roger Williams“), Southern Voodoo Twang („Cold, Cold Eyes“), klassische Country-Balladen („Jesus Christ“), Balkan Beat wie in den wahnwitzigen und treibenden Tracks „Cranston“ und „That Fierce Cow“, klassischem Denver Gothic Country Sound („This is How We Do Things in the Country“) über psychedelischen Westcoast („Mark of Vaccination“ bis hin zum Post-New Wave Noise Rock des monumental-apokalyptischen „Jesus is in My Body, But my Body has Let Me Down“, alles kommt zum Vorschein und trotz dieser riesigen Bandbreite bleibt der Sound immer unverwechselbar Slim Cessna’s Auto Club. Dann: Songs. Einen guten Song muss man schreiben können. Er kann vielerlei Gestalt haben, er sollte aber durchdacht sein, einer Dramaturgie folgen, sich aufbauen, am besten mitreissen und einen im Idealfall nicht mehr loslassen. Slim Cessna’s Auto Club haben diese Songs. Reichlich. Mit Melodien für die Ewigkeit, mit Schärfe, mit einer Prägnanz und Wucht, aber auch Suspense, SCAC setzen all dies souverän ein, nahezu perfekt auf den Punkt, ohne den Songs etwas von ihrer oft urtümlichen, rohen Kraft zu nehmen. „…and it’s not just the first Baptist Church…“ Dann: Texte. Niemand in den USA hat auch nur annähernd einen ähnlichen Kosmos an Geschichten und Charakteren erschaffen. Dinge, die aus dem Kollektivgedächtnis verdrängt werden, Geschichten, die einem das Blut in den Adern gefrieren lassen werden mit einem ganz feinen, rabenschwarzen Humor erzählt. Fiebrige apokalyptische Visionen ebenso wie der alltägliche Wahnsinn religiöser Eiferer. Man möchte nicht dort wohnen, wo die Geschichten stattfinden, weder in „Cranston“ oder in dem Ort, wo „This is how we Do Things in the Country“ spielt (nebenbei dem vermutlich besten Song aus Sicht eines Mörders seit dem „Country Death Song“ der Violent Femmes), noch möchte man Gestalten wie Mr. Beerbohm („Hallelujah Anyway“) begegnen und wer behauptet, diese seien alle frei erfunden, der möge bitte mal das rurale, tief gläubige Amerika der Backwoods des Bible Belt besuchen... „You see: It’s the first Baptist Church in America!“ Slim Cessna’s Auto Club sind eine einzigartige Band, bei der vieles zusammenkommt: Überragende Songs, mitreissende Musik, grandiose Live Shows, zwei der charismatischsten Frontmänner und eine instrumental hervorragende Band. Slim Cessna’s Auto Club haben in den letzten zwei Dekaden von Rodeos, großen Open Airs bis zu kleinsten Punk-Schuppen alles gespielt, zusammen mit Acts wie Johnny Cash, den Melvins, 16 Horsepower, den Violent Femmes, Throwing Muses, Morphine oder Joe Diffie die Bühne geteilt. Und sie haben noch jeden Saal oder Festival Ground zum Kochen gebracht. Es ist Zeit, dass sie auch in Europa einer größeren Öffentlichkeit bekannt werden und „SCAC 102: An Introduction for Young and Old Europe“ ist genau die richtige Veröffentlichung dafür: Die CD, bzw. Doppel-LP beinhaltet 15 ihrer besten Tracks, fünf davon („This is How We Do Things in the Country“, „Mark of Vaccination“, „32 Mouths Gone Dry“, „Cranston“ und „He, Roger Williams“) sind exklusive Neu-Einspielungen, alle anderen Songs sorgsam remastered vom Godfather des Denver Sounds, Bob Ferbrache. Dazu gibt es die allererste DVD von Slim Cessna’s Auto Club, ein komplettes Konzert von 2012, aufgenommen im Lion’s Lair in Denver, Co., welche einen recht anschaulichen Eindruck dessen bietet, was einen bei einem SCAC Konzert erwartet, auch wenn aufgrund der kleinen Bühne und der Tatsache, dass die Band dort 9 Mann hoch angetreten ist, nicht alle Register gezogen werden konnten… „This is the Band that plays the bar at the end of the world“ (Jello Biafra/Dead Kennedys)

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